Urbane Kirche
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Auf ein Glas Wein mit Stadträtin Claudia Nielsen

Nahrung für Sinn und Seele bietet die Pfarrei Herz-Jesu Wiedikon: Man trifft sich bei Wein und Tapas, das Programm ist poetisch, poppig oder politisch. Am 16. November war Stadträtin Claudia Nielsen zu Gast. Ein Thema unter anderen: alt werden in Zürich

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Wie zusammenleben in einer Stadt, in der viele Leute viel haben und einigen doch Entscheidendes fehlt: Kontakt zu anderen Menschen. Diese Frage umtreibt auch SP-Stadträtin Claudia Nielsen. Als Vorsteherin des Umwelt- und Gesundheitsdepartements sagt sie: «Ich kämpfe für eine bessere Welt».

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Ganz oben, ganz unten - das volle Leben

Claudia Nielsen weiss, wovon sie spricht: Geboren im Südafrika des Apartheitsregimes und zur Schule gegangen in Zürich Wiedikon, ist ihr soziale Durchmischung wichtig: Eine Stadt, in der sich die ganz oben und die ganz unten noch begegnen - sei es in der Schule oder beim Einkaufen -, bedeute Lebensqualität. Und die studierte Ökonomin weiss auch um den Wert guten Wirtschaftens: Der Reichtum einer Stadt zeige sich auch daran, dass mit den Steuergeldern Gutes für alle getan werde. 

Steinalt und sterbenseinsam

Und doch gibt es auch in Zürich soziale Herausforderungen, etwa die zunehmende Vereinsamung: Menschen kommen und gehen; und wer dem schnellen Takt der geschäftigen Stadt nicht folgen kann, bleibt zurück – vereinzelt, vereinsamt, verelendet. Oder, wie es der Seelsorger polemisch auf den Punkt bringt: in Zürich werde man uralt, sterbe einsam und werde dann fachgerecht entsorgt.

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Kirche und Waschküche

Kann eine Stadt etwas gegen die Vereinzelung unternehmen? Wenig, meint Stadträtin Nielsen. Anonymität sei ein Zeichen der Zeit und ein Merkmal von Städten: Wo die Menschen versprengt lebten, müsse sich jeder immer wieder um Kontakte kümmern. Aber eine Stadtregierung könne Rahmenbedingungen fördern, die Menschen ein wenig zum Zusammenleben zwingen; zum Beispiel Genossenschaftssiedlungen. Denn Orte, an denen Menschen sich zwangsläufig begegneten, seien Katalysatoren für Kontakte: «Auch der Streit in der Waschküche ist wichtig», ist Claudia Nielsen überzeugt, denn: «wer anderen Menschen nicht mehr begegnen muss, verlernt es irgendwann.»

Früher war auch die Kirche eine Art Waschküche. Aber die regelmässige, ritualisierte Begegnung im religiösen Rahmen ist passé. Was also können die Kirchen tun? Stadträtin Nielsen meint: «Gehen Sie raus zu den Leuten und laden Sie sie ein zu einem Glas Wein!»

«Brot&Wein» bietet einmal im Monat Anregung und Begegnung bei Fingerfood und einem guten Glas Wein: Diskutieren, philosophieren, politisieren; Lesungen, Musik, Tanz oder Performances. Informationen unter www.brot&wein.ch / herzjesu.wiedikon@zh.kath.ch